RPG

Freedom Force vs. Third Reich – PC Review

„Alchemiss“, die schöne Hexe und Meisterin der mystischen Kräfte, findet sich im Park von „Patriot City“, auf dem Boden liegend, wieder. Ohne zu wissen, wie es dazu gekommen ist, macht sie sich auf, Antworten zu finden. Doch was ist das? Auf Ihrem Weg zur Freedom Force-Basis trifft sie auf ihre heldenhaften Freunde, welche gnadenlos unschuldige Bürger bedrohen, bestechen und sogar verletzen! Als sie dem Treiben Einhalt gebieten will – wird sogar sie selbst angegriffen!

Verzweifelt kämpft sie sich bis zur Freedom Force – Basis durch, um letztendlich zu erfahren, daß sie alles nur geträumt hat – oder enthüllten ihre mystischen Gaben etwa einen trüben Blick in die unheilvolle Zukunft? – Soviel sei verraten: „Alchemiss“ wird zu einer wichtigen Figur im Verlauf des Spiels. Fast nur nebenbei wird einem größenwahnsinnigen Diktator das Handwerk gelegt. Interessanter wird es, als es um die Frage geht, wie jener Seitelscheitenträger derart Macht erhielt, die Geschichte ändern konnte bzw. „Energie X“-Kräfte erlangte. – Laßt Euch überraschen!

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Der Plot, der zugegeben, teils sehr wirr und unlogisch strukturiert ist, knüpft lose an den Vorgänger an. Jedoch verpasst man nichts, denn die Entwickler haben sich die guten alten Comic-Hefte zum Vorbild genommen. Das heißt, hat man endlich Bösewicht A besiegt und die Welt gerettet, taucht plötzlich Bösewicht B zum Ende des Heftes auf und wird so zum Kauf des nächsten Exemplar angeregt. Ja, richtig! Ein eingefleischter Comic-Fan erhält genau das, was alle „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ – Anhänger lieben: Stories, voll gespickt mit etwas Liebelei, Neid, Intrigen, Verrat und jede Menge Action – ohne je wirklich ein Ende zu finden. Comic-Veteranen dürften an Freedom Force VS The 3rd Reich ihre wahre Freude haben!

Für Neulinge: Freedom Force ist ein bunt gemischter Heldenhaufen energiegeladener, mutierter und mit Superkräften ausgestatteter Menschen, Roboter und Aliens. Das kommt davon, wenn sich ein Außerirdischer mit einer geballten Raumschiff-Ladung „Energie X – Kanistern“ über der Erdatmosphäre abschießen läßt. Rund um den Globus verteilten sich so die undichten, strahlenden Kanister und jeder, der zufällig mit „Energie X“ in Berührung kam, wurde mit irgendeiner Superkraft ausgestattet. „El Diablo“, z.B., ist ein richtiger Hitzkopf und kokelt schon mal eine ganze Siedlung ab. „Man-Bot“ hingegen muß aufpassen, daß er, vor lauter Energie, nicht versehentlich ein Erdbeben beim Furzen auslöst. Natürlich tragen einige unsere Helden auch super sexy Strumpfhosen, wie es schon Superman und Spiderman vorgemacht haben. Demokratischer Weise kamen auch Schurken mit der außerirdischen Energie in Kontakt und wurden zu Superschurken. Diese haben selbstredend superböse Absichten – zum Glück, sonst wäre unsere Freedom Force ein Haufen neuer Hartz IV Empfänger.

Jeder der nur ein bischen was von Superhelden gelesen, gehört oder gesehen hat, weiß nun, was er als Spieler zu tun hat: mit einer Horde kostümierter Super-Jecken die bösen Buben bekämpfen. Da das Spiel amerikanischer Herkunft ist, sind die Gegner traditionsgemäß Vodkasäufer, Sauerkrautfresser, Sushimampfer und Andersdenkende. Wer es spätestens jetzt nicht ahnt, dem wird verraten: Irrational Games parodiert mit Freedom Force VS The 3rd Reich nicht nur die 60er Comic-Helden und deren Abenteuer, sondern nimmt auch die Amis und deren Feindbilder gelungen auf die Schippe.

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Nun sollte es klar sein: der Spieltitel soll ein klein wenig provozieren. Die Schlachtfelder des zweiten Weltkriegs und dessen strammstehende, schnauzbärtige Verursacher mit dem wohlklingenden Namen „Blitzkrieg“, bekommen wir aber erst ab Mitte des Spielverlaufs zu sehen – vorher müssen noch andere Superschurken amerikanisiert werden. Alte Bekannte wie „Nuclear Winter“ oder „Timemaster“ sind auch wieder dabei. Zum Ende des Spiels muß die „Freedom Force“ diesmal sogar einen schweren Verlust hinnehmen. Lust auf mehr? Klasse, denn das Spiel hat, wie schon der hervorragende Vorgänger, durch den Rollenspiel-Anteil einen erhöhten Suchtfaktor. Taktischer Tiefgang wird auch geboten!

Was? Nachbars Katze wurde von Kommunisten provokativ rot eingefärbt ? – Keine Panik – die Freedom Force eilt herbei und malt mit weißer Farbe den Coca Cola tm Schriftzug auf das geschändete Vieh und schon ist Amerikas Gesicht gewahrt und die Traditionsfirma um eine Werbefläche reicher. Ja, Freedom Force nimmt jede ungewöhnliche Erscheinung ernst , ist alarmiert und sofort einsatzbereit!

Bis zu vier Superhelden dürfen gleichzeitig in den Kampf geschickt werden. Das macht auch Sinn, denn jeder Charakter hat seine Vor- und Nachteile. Einen gegnerischen Roboter z.B. legt „Man’ O War“ locker mit seinen Elektroschock-Strahlen lahm. Die Untergebenen „Nuclear Winters“ wiederum , können gegen „El Diablos“ feurigen Grüßen nur kleinbei geben. Auf der anderen Seite, läßt ein treffsicher geworfener Schneeball, unseren lateinamerikanischen Macho, sofort nach seiner Mama weinen. Daher sollte man bei Auswahl der einzusetzenden Helden taktisch vorgehen. Eine Heldentruppe, die z.B. nur aus langsamen, schwerfälligen Kraftprotzen besteht, kann wenig gegen fliegende und flinke Bösewichte ausrichten. Das ganze erinnert stark an das „Papier,Schere,Stein und Brunnen-Prinzip“ der Final-Fantasy Reihen.

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Leider erfährt man vor jedem Einsatz nur sehr wage von den Schwächen und Stärken der jeweiligen Gegner,
so daß man bei unwissentlich falscher Auswahl der Helden, schon mal herbe Verluste hinnehmen muß. Ein Neustart der Mission mit adäquater Heldenauftsellung ist daher anzuraten. Sollte mal doch ein Protagonist ausgeknockt werden, dann kann man eine „heroische Auferstehung“ anwenden und der Held ist mit einem Bruchteil seiner Lebensenergie wieder dabei – beim Vorgänger war dies noch nicht möglich. Auch hinderliche Zustände wie Benommenheit oder vorübergehende Blindheit können so wieder schnell rückgängig gemacht werden. Da man aber diese heroische Auferstehung nicht unendlich oft anwenden kann, sollte taktisch damit umgegangen werden.

Freedom Force VS The 3rd Reich hat einen kleinen aber feinen Rollenspiel-Anteil. Jeder Charakter erhält mit der Zeit mehr Erfahrung bzw. Erfahrungspunkte. Ab einem bestimmten Level dürfen Helden sich vom Prestige-Punkte-Pool bedienen und diese in Attribute, wie härterer „Bumms“, oder in neue Fähigkeiten, wie Flugeigenschaft, investiert. Interessant dürfte für Individualisten auch die freie Charakter-Erstellung sein. Man darf seinem Avatar mit einen der zahlreichen Skins umhüllen, frei Benennen und ihm / Ihr ordentlich Talente, Fähigkeiten aber auch Schwächen hinzufügen. Schwächen vergeben, wozu soll das gut sein? Nunja, man braucht hohe Prestigepunkte für die Vergabe von Skills, wenn aber eine oder gar mehrere kleine Schwächen verteilt, bekommt man sogar Punkte gutgeschrieben, die wieder eingesetzt werden können.

Beim Anspielen stellt man schnell fest, daß es sich hier nicht um einen typischen Echtzeitstrategie-Titel handelt. Es gibt keine Ressourcen, keinen Nachschub während der Missionen und selten Hilfe von NPCs. Blind aufs Ziel stürmen und sich allein auf die Superkräfte der Superweibchen und -männchen verlassen ist nicht – nur überlegter Angriff verhilft zum Ziel. Die Leertaste wird zudem zum besten Freund, welche das Spiel pausieren lässt. Im Pause-Modus können neue Befehle gegeben werden, wie Schilder aktivieren, andere Gegener anvisieren und / oder fliehen! Vereinzelt verliert man nämlich schnell den Überblick, wenn sich die Gegner häufen und Chaos überhand nimmt.

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Sehr motivierend sind außer den Zwischensequenzen, besonders die Herkunfts-Geschichten der Akteure. Immer mal wieder werden kleine Comic-Strips gezeigt, in denen erläutert wird, wie aus einer unscheinbaren Person der jeweile Superheld wird.

Ein bischen Kritik: am wenigsten gefällt die mäßige KI. Ich finde es schade, daß meine Helden nicht immer zurück-kontern, wenn sie angegriffen werden. Es stört auch, daß nicht alle gegebenen Befehle dauerhaft ausgeführt werden – man muss sie immer wieder umständlich auswählen.

Präsentation

Das Spielgeschehen wird in 3D präsentiert und ist relativ abwechslungsreich. Im direkten Vergleich zum Vorgänger hat sich nicht viel getan – nicht weiter schlimm – sah die Grafik doch auch schon zuvor recht ansprechend aus. Laut Irrational Games wurde eine verbesserte Grafikengine – die sogenannte „Gamebryo“ – verwendet. Die Licht- und Explosions-Effekte wirken auch klein weniger eindrucksvoller. Endlich kann man die Spielumgebung auch rotieren lassen, was die Übersicht enorm verbessert. Der Detail-Reichtum ist nach wie vor mittelprächtig.

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